EdTech auf der FOSDEM 2026
Erste Erkenntnis: alle Stories darüber, wie brechend voll die FOSDEM sei, haben sich bestätigt. Zumindest munter von Talk zu Talk zu springen funktioniert bei der FOSDEM nicht so richtig, weil sich vor den Devrooms oft lange Schlangen von Menschen bilden, die eigentlich erst drei Talks später im Raum sein wollen. Für viele scheint der Modus Operandi eher zu sein, über längere Zeit in einem Raum zu bleiben, denn die thematischen Tracks sind Räumen zugeordnet, so dass ich den gesamten Sonntagnachmittag an einer Stelle sitzen und alle Education-Vorträge hören konnte. Die Stimmung war durchgehend gut, die Menschen sehr nett, und irgendwie ist es ein krasses Gefühl, einen ziemlich großen Teil der weltweit relevanten Open-Source-Szene auf einem Gelände versammelt zu haben. Die FOSDEM Fringe beweist den Impact davon: wenn man schon mal so viele Schwergewichte der Community in einer Stadt vereint hat, nutzen viele Unternehmen und Initiativen die Chance und veranstalten eigene Konferenzen oder Meetups um die FOSDEM herum, zum Beispiel das CfgMgmtCamp, die BruxConf oder die ChaossCon.
In diesem Artikel soll es um die Bildungsthemen gehen, die ich bei der Konferenz mitgenommen habe. Die rein technischen Themen findet ihr im zweiten Artikel über die FOSDEM.
Programmierend Welten bauen mit Luanti
Graduell Programmieren lernen mit Hedy
Ein anderes Projekt, das mir direkt ins Auge gefallen ist, heißt Hedy. Dabei handelt es sich um eine Art Programmiersprache zum Lernen, die ein paar interessante Features mitbringt: zum Beispiel läuft die Programmierumgebung komplett im Browser und der Fortschritt wird by default in einem temporären Benutzerprofil gespeichert. Perfekt für ein Gastspiel an einer Schule, in der es nicht realistisch möglich ist, für einen Workshop etwas auf ihre Geräte zu installieren; es gibt sogar eine Offline-Version, mit der die Lehrkraft einen Hedy-Server auf ihrem eigenen Gerät starten kann, mit dem die Teilnehmenden sich dann verbinden. Außerdem wird ein vollständiges Set an “Adventures” oder Levels, die man in einer Klassenraum-Situation durchspielen kann, direkt mitgeliefert. Es gibt aber auch umfangreiche Möglichkeiten für Lehrkräfte, eigene Levels zusammenzustellen oder komplett neue Adventures zu entwickeln.
Ein paar Design-Entscheidungen haben mich erstmal mit Fragezeichen zurückgelassen. So sind in Hedy die Keywords lokalisiert, was zum Beispiel in der deutschen Version heißt, dass man mit Wörtern wie “definiere”, “wiederhole” und “drucke” arbeitet - ziemlich weit entfernt von der echten Programmierwelt. Leider ist die deutsche Übersetzung auch noch ziemlich unvollständig, mitten in der Übung wechseln die Instruktionen zwischen Englisch und Deutsch hin und her - es steht aber ein Weblate-Link zur Verfügung, mit dem alle Interessierten zu einer besseren Übersetung beitragen können. Und: die Syntax verändert sich mit jedem Level leicht. Im ersten Level ist zum Beispiel drucke Hallo Welt! noch eine gültige Instruktion, ab dem vierten Level müssen Quotes verwendet werden. So bewegen sich die Teilnehmenden mit jedem Level einen Schritt weiter von Pseudocode zu einer Syntax, die sehr nah an echtem Python ist. Genauso sind Fehlermeldungen zu Beginn sehr leicht verständlich und werden mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad technischer und präziser.
Ich stelle mir vor, dass eine sich ständig verändernde Sprache mir das Programmieren lernen eher schwerer als leichter machen würde, aber die Erfinderin Felienne Hermans preist genau das als ein Key Feature von Hedy an. Bei der Universität von Vilnius gibt es die ausführliche Abhandlung The Story of Building Hedy zu lesen, die ich mir zugegebenermaßen noch nicht ganz zu Gemüte geführt habe; sie gibt wahrscheinlich mehr Aufschluss über diese Designentscheidungen aus einer pädagogischen Perspektive, mit der ich mich ehrlicherweise nicht in der Tiefe auskenne - daher gehe ich erstmal davon aus, dass das alles so seinen Sinn hat.
Wie das ganze technisch funktioniert, ist übrigens auch ziemlich spannend: wie das Hedy-Architekturdokument im GitHub-Wiki erklärt, wird für jedes Level mit Hilfe von Lark eine Grammatik erstellt, dann der Input geparst und zu Python transpiliert.
Mehr Links zum Thema:
- gotopia.tech - Teaching Kids How to Code with Hedy
- From Burnout to Breakthrough - An Academic’s Quest to Rethink Coding Education (Podcast mit Felienne Hermans)
- opensource.com - Teach anyone how to code with Hedy
Pythonische Logikrätsel in Execubot
Im gleichen Talk wurden noch Py-rates und Compute-It genamedroppt als Python-Lernspiele, die die Vortragenden erst ausprobiert und dann verworfen wurden. Py-rates macht auf mich einen super Eindruck; es ist deutlich fortgeschrittener als Execubot und somit eher für ältere Lerngruppen geeignet, man kann hier aber mit Code richtig clever die Levels lösen. Das im Talk erwähnte Problem, dass Kinder und Jugendliche mit den wenig aussagekräftigen Python-Fehlermeldungen wenig anfangen können, ist verständlich.
Compute-It erinnert mich ziemlich an Execubot, wirkt etwas mehr polished und scheint mir eigentlich auch eine gute Option zu sein, um zu verstehen, wie Loops und Conditionals funktionieren. Es fehlen allerdings sämtliche Kontrollen und Einstellmöglichkeiten für Lehrkräfte, die Execubot mitbringt.
State of Processing
MicroBit live-coden mit MicroBlocks